Skip to main content

„Im Felde unbesiegt“ – Die Dolchstoßlegende Produktion, Drehbuch & Regie
SWR 1998, 44 Min.

„Die Dolchstoßlegende war im Grunde ein politischer Propagandakrieg über die Schuldfrage. Wer war Schuld am verlorenen Krieg? Die Militärs, die falsche Einschätzung der militärischen Kräfte vor allem Amerikas? Oder waren es die verfluchten Politiker, die Sozialdemokraten, mit Zentrum und Demokraten als Gefolgschaft, die die Demokratie wollten?“

Theodor Eschenburg (1904-1999) im Interview, 1998

Im November 1918 überstürzten sich in Deutschland die innenpolitischen Ereignisse: Die Matrosen der Hochseeflotte begannen zu meutern, am 9. November sprang der Funke der Revolution auf ganz Deutschland über. Überall gründeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, Friedrich Ebert wurde Reichskanzler. Einen Tag später floh Wilhelm II. ins Exil in die Niederlande. Endlich war der Weg frei für den Waffenstillstand, der am 11. November im Wald von Compiègne unterzeichnet wurde. Damit lag der politische Zusammenbruch vor der Unterzeichnung des militärischen Waffenstillstands. Diese Tatsache nutzten in der Folgezeit rechtsgerichtete Kreise, um zu behaupten: Im Ersten Weltkrieg sei das im Feld angeblich unbesiegte Heer mit der Novemberrevolution durch Marxisten, Pazifisten und Juden von hinten ,,erdolcht" worden.

Nach dem gescheiterten Putsch von 1923 griff Hitler die Dolchstoßlegende und die Unzufriedenheit über den Versailler Vertrag wieder auf, um die breite Masse auf seine Seite zu ziehen. Er schob die Schuld an der demütigenden Niederlage des Deutschen Reiches den demokratischen Parteien von Weimar und den ,,Novemberverbrechern" zu. Die Beseitigung dieser Demokratie war nach seinen Worten die erste Voraussetzung zur Wiedergewinnung nationaler Größe.

Die Dolchstoßlegende blieb Teil seiner Propaganda. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war sie Grundlage seiner Durchhalteparolen, mit denen er die Bevölkerung beschwor, nicht wieder – wie angeblich 1918 – kurz vor dem sicheren Sieg die Waffen niederzulegen.

Produktion: Anne Roerkohl dokumentARfilm GmbH

Franz Wimmer: Wir wollen Frieden, Kohlezeichnung 1916
Deutsche Soldaten im Schützengraben, Westfront 1918
Satirezeitschrift "Kladderadatsch", 30. Nov. 1919, nach Hindenburgs Anhörung zur Schuldfrage im Reichstag
Wahlplakat der DNVP, 7. Dez. 1924; Sozialdemokratische Satirezeitschrift "Der Wahre Jacob", 7. Juni 1930