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Unerwünscht und Vergessen. Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder Produktion, Drehbuch & Regie
WDR 2000, 45 Min.

Im Entbindungslager Waltrop-Holthausen, eingerichtet speziell für Zwangsarbeiterinnen, kommen während des Zweiten Weltkrieges 1.273 Kinder zur Welt. Ein großer Teil der Säuglinge stirbt noch vor dem ersten Lebensjahr – an Hunger oder unzulänglicher Pflege.

Die Polin Maria Wieclaw ist eine der jungen Frauen, die durch Deportation zur Zwangsarbeit nach Westfalen kommt. Sie lernt mit 20 ihren späteren Ehemann kennen und wird schwanger. Im Entbindungslager Waltrop-Holthausen bringt sie ihre Tochter Valentina zur Welt. Das Kind wird ihr einfach weggenommen – blond und blauäugig entsprach es der Rassenideologie der Nationalsozialisten und wurde vermutlich an deutsche Eltern abgegeben. Maria Wieclaw weiß bis heute nicht, was mit ihrer Tochter passiert ist.

Wir haben Maria Wieclaw in Polen besucht und interviewt. Der Film folgt ihren Stationen von der Ukraine bis ins Entbindungs- und Abtreibungslager Waltrop-Holthausen. Am konkreten Beispiel öffnet der Film ein bislang verschlossenes und schockierendes Kapitel der NS-Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg.

Maria Wieclaw lebt heute mit ihren Kindern in Polen, krank – am Rande des Existenzminimums. Eine Entschädigung hat sie nie erhalten, ihr Schicksal hat sie vorher nie erzählt – und nach den Tätern nie gesucht. Die Opfer von damals sind bis heute Opfer geblieben.

Beim WDR sind nach der Ausstrahlung des Films Spenden für Maria Wieclaw eingegangen.

Produktion: Anne Roerkohl dokumentARfilm GmbH

Lager Waltrop-Holthausen 29a, amerikanisches Luftbild, April 1945 und schematische Zeichnung
Maria Wieclaw als junge Frau
Valentina P., 1942 mit 13 Jahren deportiert in eine Munitionsfabrik in Telgte bei Münster. Rechts ein Foto aus späterer Zeit, das die Zerstörung des Kindes zeigt.
Zwangsarbeiterinnenbaracke Zeche Emscher-Lippe, Datteln