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Silke Gatermann, 02.07.2019

Rezension zu Geschichte interaktiv Folge 32 - Das antike Griechenland II

Die erste Folge zu "Das antike Griechenland I" (Geschichte interaktiv, Folge 31) beschäftigte sich in vier Modulen mit der Polis Athen und der attischen Demokratie, bot einen Überblick über die griechische Götterwelt sowie das Orakel von Delphi und ließ den Gegenwartsbezug besonders im Modul zu den Olympischen Spielen deutlich werden.

Die vorliegende Fortsetzung "Das antike Griechenland II, Folge 32" bringt Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I in fünf Modulen die Entwicklung des antiken Griechenlands von den Anfängen bis zur römischen Provinz nahe.

Von den neuen Filmformaten, die auf dem der DVD beiliegenden Flyer nochmals erläutert werden, findet man hier als erstes Modul "Geschichte im Zeitstrahl" (Modul 1, 30:54 min). Dieser auch in sieben Einzelsequenzen ansteuerbare Überblick ist sicher nicht nur für die Sekundarstufe I als Erarbeitung der Entwicklung des antiken Griechenlands lohnend, sondern auch in der Sek. II als Wiederholung oder motivierender Einstieg zu vertiefenden Aufgaben geeignet. Die kreative Aufgabe im didaktischen Zusatzmaterial, den Zeitstrahl zeichnerisch als Fluss darzustellen, eignet sich besonders für jüngere Schülerinnen und Schüler, da sie so visualisieren können, dass Geschichte nicht gradlinig verläuft. Gegenwartsbezüge werden (auch im didaktischen Material) über Kunst und Architektur sowie die Frage von Helden damals und heute hergestellt.

Die weiteren vier Module widmen sich, wie im Untertitel von Geschichte interaktiv 32 aufgeführt, den Helden der griechischen Mythologie und den Kriegen der klassischen und der hellenistischen Zeit.

Die Module 2 und 5 im neuen Filmformat "Geschichte im Film" widmen sich zunächst zwei großen Helden der griechischen Mythologie (Modul 2, 26:37 min) und dann Alexander dem Großen (Modul 5, 32:58 min). Odysseus und Herakles sind die im Mittelpunkt stehenden Helden. Interviewpartnerin Claudia Tiersch von der Humboldt-Universität zu Berlin erläutert knapp und adressatengerecht die unterschiedlichen Rollenmuster der beiden Helden sowie ihre Bedeutung für das Selbstverständnis der Griechen in der Antike. Eine Sequenz geht der Frage nach, wie viel Wirklichkeit in der Erzählung der Odyssee verborgen ist. Dieses Modul ist daher auch für den Einsatz in der Sageneinheit im Deutschunterricht der Sekundarstufe I interessant.

Alexander der Große, der in den griechischen Helden wie Herakles seine Vorbilder sah, ist die ideale Wahl für Modul 5. Durchgehend wird in den sechs Sequenzen dieses Moduls herausgearbeitet, wie Machtgier und Ehrgeiz Alexander einerseits zu unermüdlichen Kriegszügen und Eroberungen anstachelten, andererseits aber auch unersättliche Abenteurerlust und Neugier ihn antrieben, fremde Kulturen und Wissenschaften kennenzulernen und aufzunehmen. Die animierten Karten helfen den Schülerinnen und Schülern einerseits das Ausmaß der Feldzüge zu erfassen und andererseits nachzuvollziehen, welche Vorstellung die antiken Griechen von der Welt hatten. Anhand von überlieferten Darstellungen Alexanders erarbeiten die Schülerinnen und Schüler die Mythenbildung um die historische Figur des Alexander. Eine kreative Hörsehaufgabe im didaktischen Material fordert die Schülerinnen und Schüler auf, ein Spiel zu erstellen.

Die Module 3 und 4 ("Geschichte in Karten") widmen sich mit je fünf Sequenzen den Kriegen der klassischen Zeit. Mit Hilfe von animierten Karten werden in Modul 3 (14:32 min) die Perserkriege visualisiert und in Modul 4 (16:29 min) der Peloponnesische Krieg.

Die Darstellung der Konfliktparteien sowie die Art der Auseinandersetzungen in den Perserkriegen werden mit einer Reihe einfacher Symbole, die durchgängig verwendet werden, auf das Wesentliche reduziert. Im didaktischen Material finden sich ausgewählte Standbilder des Films, die zunächst kurzen Beschreibungen des Kriegsverlaufes zugeordnet werden sollen. Im zweiten Schritt sollen die Schülerinnen und Schüler dann selbst wesentliche Etappen anhand von weiteren Standbildern erläutern.

Eine vertiefende Aufgabe, die sich auch für die Oberstufe eignet, ist die Analyse der nachträglichen Glorifizierung von Schlachten. Hier wird die Sachurteilsbildung geschult.

In Modul 4 wird ähnlich verfahren. Hier ist die Erarbeitung der Peloponnesischen Kriege über arbeitsteilige Gruppenarbeit geplant. Interessanter ist die Aufgabe zur quellenkritischen Auseinandersetzung mit Thukydides und seiner Motivation, den Peloponnesischen Krieg zu beschreiben. Ob dies allerdings schon ohne weitere Hilfen in der Sekundarstufe I (Jahrgang 6) gelingt, ist zu prüfen.

In beiden Modulen gelingt es, in der Darstellung nicht nur die Schlachten aufzuzählen, sondern jeweils anschaulich zu machen, wie politisches Vormachtstreben und sozio-ökonomische Überlegungen ineinandergreifen und einander bedingen.

Es ist eine Meisterleistung, diese komplexen Zusammenhänge in jeweils circa 15 Minuten ansprechend und adressatengerecht auf den Punkt zu bringen.

Der beigefügte Flyer bietet nicht nur Erläuterungen zu den neuen Filmformaten sondern auch die detaillierte Aufstellung der Module und Sequenzen mit genauen Zeitangaben. Eine große Hilfe für die Unterrichtsplanung!

Fazit: Diese Folge, wie die Folge 31, sollte dem Geschichtskollegium in jeder Schule zur Verfügung stehen.

 

(Silke Gatermann, Lehrerin für Geschichte/History, PGW/PSE, Englisch und Deutsch am Gymnasium Ohmoor, Hambur)